Das Krokodil

Das Krokodil

Mitwirkende

Inszenierung
Tom Wolter

Choreographie
Jana Ressel

Bühne
Tom Wolter
Tobias Krause

Kostüme
Sabine von Oettingen

Maske
Grit Brömme

Technik
Sebastian Schachtner

Fotografie
Uwe Köhn
Matthias Reger

es spielen
Elsa Weise
Ralf Bockholdt

Schauspiel mit Objekten
nach der gleichnamigen Erzählung von Dostojewski

Was macht ein Beamter in einem Krokodil?
Wie schmeckt ein Beamter?
Was fressen die Ungeheuer von heute?
Ein deutscher Schausteller ist mit seinem Krokodil in Russland unterwegs. Eine Attraktion im selbst ernannten Bürgertum.

Aber Iwan Matwejewitsch landet aus Unachtsamkeit im Bauch des Krokodils und in Folge stellt sich heraus, dass es aus ökonomischen Gründen unmöglich ist, ihn daraus zu befreien. Dostojewskis frühe Kapitalismuskritik ist eine absurde Irrfahrt in den ganz normalen Wahnsinn. Die vernünftelnde Logik des Geldes wird in dieser skurrilen Geschichte ebenso aufs Korn genommen wie die lähmende Umständlichkeit von Politik und Bürokratie.

Hintergrund:

Im Erzählfragment “Das Krokodil” von 1865 verarbeitet Fjodor M. Dostojewskij nach einer mehrjährigen Reise durch Europa die “materialistische Seelenlosigkeit”, die er dort vorfand. Das Krokodil nimmt sowohl die bürokratische Denkweise, die sich vom unmittelbaren Leben so absurd entfernt hat, aufs Korn, als auch die aus Europa nach Russland dringende rationalistische Ökonomieidee. Dass der Besitzer des Krokodils, der sich weigert, sein Kapital eines Menschenlebens wegen zu opfern, ein Deutscher ist, ist kein Zufall. Dostojewskij war zwar einerseits ein leidenschaftlicher Gegner von Europa und insbesondere Deutschlands, vor allem aber ließ sich darin die russische Unterwürfigkeit vor aus Europa importierten Ideen darstellen: das “ökonomische Prinzip”, von dem die Rede ist, meint den Ursprung des Kapitalismus aus der Aufklärung und seiner Begleitwissenschaften in Büchern wie Mandevilles “Bienenfabel” (1724), J.O. de la Mettrie´s “L´homme maschine”, Jeremy Benthams “Principles of Morals and Legislation” (1780) und “Utilitarismus” von der “Benthamschen Denkmaschine” John Stuart Mill. Diese urkapitalistischen Ideen verknüpften sich in der russischen Beamtenschicht mit den harten feudalistischen Strukturen der Leibeigenschaft und der tiefreligiösen Anlage zu einem absurden Konglomerat von Mißachtung des Menschenlebens. Begeistert wird vertreten, was den Untergang verursacht.


Eine Produktion von Wolter und Kollegen! in Kooperation mit dem Projekttheater Dresden. Die Produktion wurde ermöglicht durch die Förderung des Landes Sachsen- Anhalt. Vielen Dank an das Luchs.Kino am Zoo und die Zoo Halle (Saale) GmbH, den Eigenbetrieb für Arbeitsförderung der Stadt Halle und den Eigenbetrieb für zentrales Gebäudemanagement der Stadt Halle für die freundliche Unterstützung.