Die erzwungene Heirat

Die erzwungene Heirat

Mitwirkende

Spielleitung
Tom Wolter

Kostüme
Sabine von Oettingen

Maske
Grit Brömme

Bühne
Tobias Krause

Technik
Fred von Oettingen

Assistenz
Stephanie Hellwig

Dramaturgie
Sebastian Krziwanie

Fotografie
Thomas Schult
Stephanie Hellwig

es spielen
Ralf Bockholdt
Tom Wolter

es singen
Sängerinnen des Chores “Annuschka”

Ein Fest. Das Fest. Die Heirat, Höhepunkt und glückverheißend. Zwei Herren erzählen die Geschichte unterstützt von acht singenden Damen.

Sie sehnen sich nach dem Einfachen, was schwer zu machen ist. Eine Sehnsucht nach schlichter Komik, aus der das Komische unaufhaltsam herausbricht. Zeit zum Heiraten? Zu alt? Zu jung? Warum heiraten? Was, wenn die Auserwählte nicht der Liebe wegen den Bund der Ehe knüpfen will? Es lebt sich manches leichter allein. Alle Welt hält Hochzeit. Heirat. Dieter schon zum zweiten Mal. Achim sucht immer noch. Peter will eine Frau aus Thailand mitbringen und Katrin lässt sich gerade scheiden, hingegen Rita den Mann liebt, der verheiratet ist und dieser eine Frau, die nie heiraten will, weil sie einen neuen hat. Der reiche Sganarelle ist eine Erfindung Molières, eine Geschichte von heute. Er ist hier, immer, unter uns. Sganarelle wandert auf Freiersfüßen, die besten Jahre seines Lebens hinter sich. Ja, er scheint von seinem Sexappeal ziemlich überzeugt zu sein, doch ist er, um es vorsichtig zu sagen, ein Amateur in Liebesfragen. Aber es gibt etwas, weshalb die blutjunge Dorimène sich nach betagtem Sganarelle sehnt: Geld. Sein Reichtum ist ein wahrhaft überzeugendes, unverrückbares Argument. Wo die Liebe nicht blüht, vermag Geld der Schlüssel zu sein, mit welchem sich vielerlei Tore öffnen lassen. Sganarelle träumt von einem trauten Heim, wo viele kleine Sganarelles herumkrabbeln, ihm den Bart kraulen und sein Weib ihm die Füße massiert. Angesichts eines bald zu erwartenden Ablebens des Bräutigams, sucht sich die Braut derweil einen geeigneten Nachfolger aus. Der Tor von einem Ehemann (und Torheit ist das Lebenselixier, in dem ein Narr wie Sganarelle schwimmt) dürfte ihr dabei keine größeren Schwierigkeiten bereiten. Sganarelle hingegen muss erkennen, was ihm blüht. Diese Zeche möchte er nicht zahlen. Doch jeder Versuch der Verstrickung zu entkommen, schnürt den Strick nur noch fester um seinen Hals. Bis dass der Tod ihn scheidet.

Biographie Moliere (1622-1673)

Molière – eigentlich als Jean-Baptiste Poquelin geboren – war der älteste Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers und Tapezierers aus Paris. Anstatt dem Beruf seines Vaters nachzugehen, folgte Molière seiner großen Leidenschaft: der Schauspielerei. Nach Jahren der Wanderschaft durch die französische Provinz kam er mit seiner Theatertruppe 1658 nach Paris und feierte hier große Erfolge. Schnell stieg er nicht nur in der Gunst des Publikums, sondern auch in der Gunst König Ludwig XIV. und durfte bald mit seinen Schauspielern unter der Bezeichnung »Troupe du Roi« im Palais Royal auftreten. Der Erfolg kam nicht von ungefähr. Wie kein zweiter verstand es Molière, seiner Umwelt auf der Theaterbühne schonungslos den Spiegel vorzuhalten, um die Geizigen, Aufschneider, Heuchler, Zweifler, Betrüger und Naiven zu entlarven. Und so wundert es auch nicht, dass Molière nicht nur Zustimmung für seine provokanten Stücke erfuhr. So fand 1664 die Uraufführung des Tartuffe statt. In der ersten Fassung war der “Titelheld” ein scheinheiliger Geistlicher. Für die katholische Kirche ein Affront, sie lies das Stück verbieten. Auch privat hatte Molière mit einigen Unwägbarkeiten zu kämpfen – gerade in Sachen Liebe. Erst im Alter von vierzig Jahren heiratete er. Seine Auserwählte war die neunzehnjährige Armande Béjart, bei der es sich vermutlich um eine Tochter seiner Weggefährtin Madeleine Béjart handelte. Glücklich sollte er mit dieser Heirat nie werden. Und es bleibt zu vermuten, dass “Die erzwungene Heirat” auf seine ganz persönlichen Erfahrungen mit diesem Thema zurückzuführen ist. Sein letztes Stück war “Der eingebildete Kranke”, in dem Molière – selbst schwer krank – auch die Hauptrolle übernahm. Bei der vierten Aufführung am 17. Februar 1673 erlitt er einen Schwächeanfall und starb wenig später in seiner nahe gelegenen Wohnung.


“Die erzwungene Heirat” ist eine Produktion von Wolter und Kollegen! in Kooperation mit Luchs. Kino am Zoo. Weiterhin wollen sich Wolter und Kollegen! bei der Zoologischer Garten Halle GmbH und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. für die freundliche Unterstützung bedanken.