Faust-Projekt an der Freien Waldorfschule Halle

Faust-Projekt an der Freien Waldorfschule Halle

unter der Leitung von Ralf Bockholdt und Heidi Janetzky

FAUST – die Klassik deutscher Theaterliteratur schlechthin, von Goethe niedergeschrieben, wollen sechs verschiedene Waldorfschulen vollständig auf die Bühne bringen. Im Rahmen des traditionellen 12-Klass-Spiels werden SchülerInnen aus sechs verschiedenen 12. Klassen, verteilt über ganz Deutschland, es unternehmen, sowohl den 1. wie auch den 2. Teil von Goethes Faust in der Gänze aufzuführen.
Größenwahn oder Kulturbildung oder…?
Die freie Waldorfschule Halle bat Wolter und Kollegen! um Unterstützung, dieser Aufgabe künstlerisch gewachsen zu sein. Jeder der sechs Schulen wurde ein Teil des Gesamtwerkes zugewiesen, welche dann im Februar 2014 in Isamaning bei München hintereinander aufgeführt werden, an sechs aufeinanderfolgenden Tagen.
Die hallesche Waldorfschule wird den 1. Akt von Faust II in Szene setzen und Ralf Bockholdt wird als künstlerischer Leiter dafür verantwortlich sein. Vor 11 jungen Männern und 5 jungen Frauen steht ein Bollwerk, ein Denkmal deutscher Literatur. Wollen wir hoffen, dass wir es ein wenig zum Leben erweichen können.

Weitere Informationen gibt es auf der Festival-Homepage: www.faust-schuelerprojekt.de
und auf der facebook-Seite: www.facebook.com/FaustFestivalMunchen2014


Verführung und Versuchung – ein zeitloses Thema
Ein Bericht von Paul Roth

Ein Motiv in Goethes Faust ist das der Verführung. Es ist Mephisto, der sich diese Aufgabe zum Ziel gemacht hat. In Faust I strebt Faust nach Erkenntnis. Mephisto weiß, wie leicht aus dem Suchen nach Erkenntnis und nach Leben eine unersättliche Gier werden kann, alles haben zu wollen, sich ja nichts entgehen zu lassen! Er ist überzeugt, dass gerade das „Himmelslicht“ der Vernunft, das Gott dem Menschen gegeben hat, ihn „tierischer als jedes Tier“ werden lassen kann. Das will Mephisto beweisen. Mephisto verspricht dem Faust, dass er ihm alle Geheimnisse und alle Genüsse des Lebens zeigen will. Darauf fällt Faust herein. Sein Suchen nach Lebenserfüllung macht ihn zum Egoisten. Er lädt Schuld auf sich, vor allem Gretchen gegenüber, die er verführt und dann sitzen lässt.
In Faust II ist es der Kaiser, der von akuten Geldnöten geplagt ist und der von Mephisto verführt wird. Mephisto sagt zum Kaiser, als Narr verkleidet: „Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt? Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.“ Der Kaiser erwidert auf Mephistos Überredungsversuch: „Ich habe satt das ewige Wie und Wenn; es fehlt an Geld, nun gut, so schaff’ es denn.“ Darauf antwortet Mephisto: „Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr.“ Geschickt fädelt Mephisto es so ein, dass aus einer vom Kaiser unterschriebenen Urkunde Papiergeld wird, in dem Mephisto sie vervielfältigt und in Umlauf bringt. Alle sind begeistert und Mephisto sagt: „ Ein solch Papier, an Gold und Perlen statt, ist so bequem, man weiß doch, was man hat; man braucht nicht erst zu markten, noch zu tauschen, kann sich nach Lust in Lieb’ und Wein berauschen.“ Es liegt nahe, dass dies nicht lange gut gehen kann. Es folgt Inflation.
Das Thema der Verführung, in Goethes Faust in der Rolle des Mephisto, ist ein zeitloses Thema, sowohl menschlich, als auch gesellschaftlich und wirtschaftlich. Der schnellen Befriedigung eines Bedürfnisses folgt oft der Absturz oder eine Krise und zieht Schuld nach sich. Auch wir werden heute ständig in Versuchung gebracht. So wie die Industrie uns heute anhand von Werbung versucht zu verführen, hat es zur damaligen Zeit Mephisto mit Faust und mit dem Kaiser getan. Ich finde es interessant, wie Goethe dieses aktuelle Thema literarisch behandelt und dabei die menschlichen Gefühle und Reaktionen wie z.B. Gier und Versuchung in Bilder fasst.